Interview

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Während der Meetings an jedem Freitag gibt es viele Gespräche rund um das Thema Spielsucht. Doch nicht nur das Spielen selbst wird angesprochen sondern auch alles drumherum. Seien es die Bereiche Partnerschaft, Beruf oder Freizeit … alles hat seinen Raum bei uns. Um die Stimmungslage während der Meetings einzufangen, haben wir ein Interview mit zwei Spielern aus der Gruppe geführt. Mit Holger, 54 Jahre alt und Claus, 42 Jahre.

Interviewer: »Wie lange habt ihr gespielt?«
Holger: »33 Jahre«
Interviewer:  »33 Jahre, ok«
Claus: »Von 18 bis 33 Jahren«
Interviewer: »16 Jahre … eine lange Zeit. Und wie lange seid Ihr schon in der Gruppe?«
Holger: »Zwei Jahre.«
Claus: »im Mai 11 Jahre.«
Interviewer: »11 Jahre schon … und wie sieht das aus? Habt Ihr auch schon mal Probleme gehabt? Einen Rückfall?«
Holger: »Ich habe mehrere Rückfälle gebaut.«
Interviewer: »Und Du Claus?«
Claus: »Nein … Rückfall nicht, Suchtdruck schon … und ich habe dem widerstanden.«
Interviewer: »Holger, wie bist Du mit Deinen Rückfällen umgegangen, wie war das so?«
Holger: »Ich habe das in der Gruppe angesprochen um das zu verarbeiten.«
Interviewer: »Und hier in der Gruppe hast Du dann die richtigen Maßnahmen oder Tipps gehört, wie man da vielleicht mit umgehen kann.«
Holger: »Genau.«
Interviewer: »Was ist denn das Geheimnis der Gruppe? Claus, was meinst Du? Gibt es überhaupt ein Geheimnis. Warum ist die Gruppe erfolgreich?«
Claus: »Weil sich im Laufe der Jahre die Geschichten irgendwie wiederholen und auch, so wie ich jetzt bald, nach 11 Jahren immer noch die Erinnerung hochkommt, was mir damals selber durch den Kopf ging, als ich noch gespielt habe, wenn Neue da sind.«
Holger: »Wenn Neue da sind bekommen diese von den Alten gute Tipps sage ich mal … die Alteingesessenen haben gute Tipps für uns … Neuen.«
Interviewer: »Ich habe mal gehört, dass immer ein bestimmter Satz fällt, den man gerne sagt, der auch ein bisschen motivierend wirkt. Ist das bei Euch immer noch so der Fall?«
Holger: »Ja, das ist immer noch.«
Claus: »Das man die Woche nicht gespielt hat ist auch jeden Fall immer noch ein guter Satz, den man für die kommende Woche wieder mitnehmen kann.«
Interviewer: »Wie ist denn eigentlich der Ablauf der Gruppe? Ihr kommt also immer freitags Abends hier her und dann? Wie läuft das ab?«
Holger: »Eine Vorstellungsrunde machen wir dann und dabei wird die eigene Befindlichkeit erörtert … wie einen das geht, ob gut oder schlecht und daraus entsteht dann meistens ein Thema.«
Claus: »Und das in einer netten Runde wo ma auch Kaffee trinkt oder Tee was dann doch ein bisschen gemütlicher ist, nicht so steif.«
Interviewer: »Also mehr so ein Rückblick der vergangenen Woche, oder?«
Claus: »Ja.«
Interviewer: »Redet Ihr denn nur über das Spielen oder …?«
Holger: »Nein, nicht nur über das Spielen.«
Claus: »Das ganze Leben kommt in den Gesprächen vor, ob das jetzt Beziehungen sind, ob Arbeit, Familie, Kinder … all das was ein so die Woche über bewegt hat, wird angesprochen.«
Interviewer: »Gibt es denn dabei auch mal emotionale Momente? Habt Ihr die so schon mal erlebt in der Gruppe?«
Holger: »Ja … und bei Dir Claus… mit Deinem Vater?«
Claus: »Ja, der Tod meines Vaters … viele Sachen, auch schöne Sachen. Ob es mit den Kindern ist, die Geburt zum Beispiel. Aber auch viele Sachen, die während der Zeit, die ich hier in der Gruppe bin passiert sind. Wo ich die Gruppe auch … mit hineingezogen habe … um es voran bringen zu können.«
Interviewer: »Wie sieht den bei Euch die Zukunft aus hinsichtlich des Nicht-mehr-Spielens?«
Holger: »Mein erstes Ziel ist, ich möchte mein 1. Jahr vollkriegen. Das wird am 15. März diesen Jahres sein.«
Interviewer: »Gibt es denn bei solchen Jahrestages etwas zur Motivation, zur Aufmunterung?«
Holger: »Bei mir wird eine kleine Feier gemacht.«
Claus: »Hier in der Gruppe läuft das so, dass man dann, immer wenn man ein Jahr geschafft hat, einen Kuchen bekommt, so als Belohnung. Aber was mich betrifft und die Jahre die ich nun hier bin, ist es einfach schön, dafür, dass ich mir früher nicht vorstellen konnte mit einer Gruppe bis ich hier hergekommen bin. Ich möchte die Gruppe nicht missen. Es ist auch schon ein Freundeskreis entstanden und es gehört einfach zu meinem Leben mit dazu.«
Interviewer: »Seht Ihr noch Gefahren für Euch irgendwie? Oder fühlt Ihr Euch schon sehr gefestigt? Claus, Du bist doch schon ein bisschen länger trocken.«
Claus: »Ich fühle mich gefestigt dank der Gruppe. Ich habe ja auch Therapie gemacht und habe da viel darüber gehört von Leuten, die Gruppen nicht besucht haben. Die dann nach Jahren wieder rückfällig geworden sind … z.B. selbst nach 20 Jahren nachdem er vier Jahre lang keine Gruppe besucht habt. Und das habe ich mit denn nach den drei Jahren – mit Unterbrechung Therapie – zu Herzen genommen und habe gesagt, den Weg werde ich auch gehen. Und Dank der Gruppe und der Tatsache, dass sie mir gefällt kann ich mir auch vorstellen, das ich ein Leben lang Gruppen besuche.«
Holger: »Gefahren sehe ich bei mir, wenn meine Eltern sterben.«
Interviewer: »Bei einem Schicksalsschlag also?«
Holger: »Genau, ein Schicksalsschlag und das ich dann vielleicht umkippe. Aber ich hoffe, dass mich die Gruppe dann wieder auffängt.«
Interviewer: »Noch ein kurzes Stichwort zur Therapie. Geht’s auch ohne oder muss es sein, Claus?«
Claus: »Das ist meiner Meinung nach typbedingt aber für mich musste es sein … definitiv. Aber wie ich hier in der Gruppe auch gesehen habe, es sind ja auch sehr viele, die keine Therapie gemacht haben und die es auch so geschafft haben. Also typbedingt aber in erster Linie ist es so, dass wenn man noch nicht den Mut hat, gleich eine Therapie anzusteuern ist erstmal eine Gruppe der einfachere Weg um für sich selber herauszufinden, ob man das alleine schaffen kann oder ob man nicht doch lieber eine Therapie machen sollte. Befürworten würde ich alles, was vom Spielen abhält, egal ob ambulant oder stationär aber zumindest sollte man zu Beginn eine Gruppe besuchen um ein bisschen Plan zu bekommen was auf einen zukommen kann um einem auch die Angst zu nehmen vor einer Therapie. Das macht auf jeden Fall Sinn.«
Interviewer: »Angst haben muss man vor einer Therapie aber nicht, sollte sie denn sein müssen?«
Claus: »Angst haben muss man vor garnierst, um mit dem Spielen aufzuhören, egal was man macht. Ob man mit einem Therapeuten reden will, ob man eine Gruppe besuchen will, ob man sofort eine Therapie machen will … alles ist gut, um vom Spiel wegzukommen.«
Interviewer: »Noch ein Schlusswort von Dir, Holger?«
Holger: »Ja, ich bin ohne Therapie vom Spielen losgekommen, nur durch meinen eisernen Willen. Und als Schlußsatz möchte ich sagen, Es gibt keinen Grund, spielen zu gehen.“
Interviewer: »Vielen Dank für das Gespräch.«

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